New York – Tag 6 – Teil 2

Teil 12 meines kleinen Reisetagebuchs.
Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, am 25.03.2009, wir waren auf Ellis Island, haben uns Penn Station in Grundzügen angeschaut und waren bei Taco Bell futtern.

Säng ju for trävveling wiss New Jersey Transit
Nach dem üblichen Mittagsschlaf im Hotel machen wir uns auf den Weg zur Penn Station.
Ein lustiger Bahnhof, von außen nicht als solcher zu erkennen, weil quasi vollkommen unterirdisch gebaut ist und der Eingang sich einfach nur unter einen Wolkenkratzer versteckt.

Ich habe leider keine Bilder, also muss ich es halt beschreiben.
Die Organisation in diesem Bahnhof ist vollkommen anders, als ich das jemals irgendwo gesehen habe.
Die Züge haben keine festen Gleise, sondern man weiß erstmal nur die geplante Abfahrtszeit.
Ein paar Minuten vor der Abfahrtzeit versammeln sich dann unzählige Leute vor einer großen Anzeigetafel, auf der – fast wie auf einem Flughafen – der Zug und der geplante Bahnsteig angezeigt werden. Sobald die gewünschte Information aufblinkt, wandern alle zum (vollkommen überlasteten) Aufzug, der einen mehrere Stockwerke in die Tiefe befördert.

Der Zug sieht auf den ersten Blick ganz modern und bequem aus, die Sitze sind in Ordnung, die Platzverhältnisse auch ok.
Beim ersten Anfahren der Mühle kriegen wir allerdings einen mittleren Schock. Ein lauter Schlag, gefolgt von einem brutalem Ruck geht durch den Zug, als die Kupplungen anziehen, dann setzt sich die Karre in Bewegung.
Beim ersten Mal dachten wir noch, das wäre eine Ausnahme, doch weit gefehlt.
Bei jedem Anfahren das gleiche Schauspiel, irgendwie haben sich stramme Kupplungssysteme wohl noch nicht überall auf der Welt rumgesprochen.
Wir nehmen es mit Gleichmut, immerhin fährt der Zug und wir kommen unserem Ziel näher.
Nach einigen Minuten Tunnelfahrt unterqueren wir den Hudson River und erblicken in New Jersey wieder Tageslicht.
Die Landschaft hier ist ziemlich trostlos, viele Hinterhöfe von großen Industrieanlagen, viele Müllberge und nichts wirklich sehenswertes liegt auf dem Weg.

Wir steigen schließlich in „Glen Ridge“ aus, einem kleinen Vorort von Jersey City, und laufen von hier nach Montclair zum eigentlichen Ziel unseres Ausflugs.

Die Stimmung hier – immerhin nur ca. 20km Luftlinie vom Zentrum Manhattans entfernt – ist vollkommen anders als „in der Stadt“.
Ein paar Impressionen:

Montclair - Impressionen

Montclair-Impressionen

Montclair-Impressionen

Montclair-Impressionen

Montclair-Impressionen

Montclair-Impressionen

Nicht nur in Stockholm und Bangkok, nein auch in New Jersey

Die Benzinpreise treiben uns die Tränen in die Augen.
Beim Dollarkurs zu dem Zeitpunkt sind das 33,7 Eurocent pro Liter. Lecker.

Benzinpreise zum Weinen (Achtung, pro Gallone)

Montclair-Impressionen

Hier ein kleiner Ausflug in die Welt der Autowäschen. In dieser Waschanlage gibt es die Wahl zwischen einer ganzen Reihe von Programmen. Angefangen beim „Kratzigen Bürstenkreischer“ für läppische 5 Dollar über den „leckenden Lackschmeichler“ für 20 Dollar bis hin zum Luxusprogramm, bei dem einem 5 mexikanische Gastarbeiter das Auto mit Zahnbürsten polieren und in bester „Karate Kid“-Manier das Auto liebkosen.

Der Audi im Bild hatte wohl das volle Programm (schlappe 90 Dollar), wie man an den wuselnden Servicekräften gut erkennen kann. 10 Sekunden zuvor waren da noch ein paar Leute mehr an dem Wagen beschäftigt …

In the Carwash

Vom Falschparken vor öffentlichen Gebäuden ist hier ebenfalls abzuraten:

Drakonische Strafen für's Falschparken

Zu Deutsch: Beim ersten Vergehen 285 Dollar, ab dem zweiten Vergehen 285 Dollar und/oder 90 Tage gemeinnützige Tätigkeiten (Straße fegen, Klos putzen, einfach mal Naomi Campbell für Beispiele fragen).

Montclair ist eigentlich ziemlich klein und langweilig.
So langweilig, dass sich hier – in Spuckweite zu New York City – vor 2 Jahren der größte Spionageskandal der letzten Jahre abspielte. Der Spionagering mit der Model-Agentin Anna Chapman, für die sich die Nachrichtenmagazine der Welt um keine noch so dumm-schlüpfrige Schlagzeile schämten saß genau hier in Montclair.
Hier mal die Story bei Spiegel.de und bei Einestages, ganz frisch.
Doch davon wissen wir und die Welt zu diesem Zeitpunkt noch nichts, also spazieren wir einfach weiter in Richtung Ziel.

Rock me Amadeus
Unser Ziel ist das Wellmont Theatre (und hier), ein wunderbar altes Kino, welches vor einigen Jahren renoviert wurde und seitdem als Veranstaltungsort für Konzerte dient.
Hier wollen wir uns ein Konzert der Derek Trucks Band anschauen.
Nie gehört? Schade schade schade.
Derek Trucks ist ein Phänomen. Wir haben den Typen auf einem Konzert von Eric Clapton das erste Mal gesehen und gehört und bei der Gelegenheit hatte er den großen Meister mit großer Leichtigkeit 2h lang an die Wand gespielt.
Was will man auch von jemandem erwarten, der mit 9 Jahren anfängt, Gitarre zu spielen, mit 12 die erste eigene Band hatte und seit er 15 ist mit „seiner“ Derek Trucks Band spielt, wobei seine Kollegen damals keine Schüler waren sondern arrivierte Profi-Musiker. Der Hammer.
Auf jeden Fall wollte ich ihn schon lange live sehen und kam nur per Zufall genau zum richtigen Zeitpunkt auf die Idee, auf seiner Webseite nach Tourdaten zu sehen. Dort fiel mir auf, dass er zur Zeit unseres New-York-Aufenthalts in New Jersey spielen sollte und ein kurzer Ortscheck ergab, dass die Anreise kein Problem darstellen sollte. Also flugs Karten bestellt und uns wie beschrieben auf den Weg gemacht.

Ticket

Das „Kino“ selbst ist schon sehr hübsch. Alt, steile Ränge, recht enge Plätze (zumindest für dem 200kg-Amerikaner, der sich in unserer Nähe immer auf 2 Sitzen herumdrücken musste) und eine ganz eigene Atmosphäre.

Wellmont Theatre

Steil, ganz steil!

Wellmont Theatre

Wellmont Theatre

Der Abend beginnt mit einer Vorband.
Wir hören „The Bad Plus„, eine hochgelobte Jazz-Dingsbums-Irgendwas-Combo, die es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht hat, bekannte Lieder zu dekonstruieren und in ihre Einzelteile filetiert auf die Bühne zu rotzen.
Die Instrumentalisten sind sehr gut, die Sängerin hat es sich offenbar vorgenommen, möglichst gelangweilt, lässig und eintönig daherzukommen und so ihre ganze Kraftlosigkeit auf das Publikum loszulassen.
Intellektuell vermutlich auf einem extrem hohen Niveau, aber vollkommen fehl am Platze.

Ein kleines Beispiel: „New Year’s Day“ von U2 (ab 2m 30s wird es „spannend“)

Zum Vergleich das Original, auch Live:

Man muss sich in die Leute versetzen, die zu so einem Konzert gehen.
Derek Trucks macht Blues-Rock, viel Slidegitarre, Souliger Gesang, südstaatenkompatibel.
Dementsprechend ist die Zusammensetzung und die Erwartung des Publikums und hier platzen diese
2schlechten Plusse“ rein und geigen ihren Scheiß zusammen.
Es hagelt Buhrufe, Pfiffe, der Saal leert sich und die Leute gehen lieber futtern oder Bier kaufen.
Zwei Zwischenrufe: „Come on, I’ve worked all day“ und „Someone hand me a rifle“ beschreiben die Stimmung der Leute ganz gut.

Irgendwann ist es geschafft, die Vorband zuckelt ab und das Konzert kann beginnen.
Doch halt, da fehlt noch was. Bier und Popcorn!
Sarah geht eine kleine Portion kaufen:

Notration mit Sarah

Ja, das ist die „kleine“ (bzw. „normale“) Portion, kleiner gibt es nicht, größer schon.
So ein Konzert ist bei den Amerikanern irgendwie ganz anders als bei uns. Es herrscht ein Kommen und Gehen wie im Taubenschlag, die Leute sind ständig am rauslaufen, Bier kaufen, Popcorn kaufen, Bier wieder raustragen, neues Bier kaufen usw.
Man kann offenbar nicht einfach mal sitzen bleiben und der Musik zuhören, irgendwie muss jeder Besucher mindestens 2x rausrennen und irgendwas dringendes erledigen.

Das Konzert selbst ist toll, allerdings macht sich bei uns immer noch der Jetlag bemerkbar, immerhin waren wir die Tage zuvor immer früh im Bett und nun ist es auf einmal 22 Uhr und wir müssen immer noch fit sein.
Ich kann euch sagen, es geht schief. 🙂
Als ich das zweite Mal erwache und mir den Schlaf aus den Augen reibe, ist der Gig immer noch im vollen Gange. Tief geschlafen habe ich sicher nicht, aber ein leichtes Dösen war leider nicht zu vermeiden.
Sarah geht’s nicht viel besser, also entscheiden wir uns irgendwann noch vor dem Ende des Auftritts, den Heimweg anzutreten. Immerhin müssen wir noch zum Bahnhof laufen, eine ordentliche Zugfahrt hinlegen und dann von der Penn Station heimlaufen oder fahren.
Also machen wir, was die vorbeifahrenden Autofahrer vermutlich vollkommen irre finden, wir laufen nicht zum nächsten, sondern zum übernächsten Bahnhof/Haltepunkt (an dem übrigens mal „Mona Lisa Smile“ gedreht wurde.
Irgendwann kommt der Ruckelzug, bringt uns brav nach Manhattan zurück und von der Penn Station schaffen wir es auch noch irgendwie zurück ins Hotelbettchen, schlafen ein und freuen uns auf unseren letzten Tag in New York und die baldige Rückreise.
Doch auch der letzte Tag wird noch lang und hat Potenzial für die ein oder andere Geschichte.

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New York – Tag 6 – Teil 1

Vorwort:
Ich muss die Berichte von New York jetzt endlich fertigstellen, immerhin liegen Dutzende Manuskriptseiten und Hunderte Fotos aus dem Thailand-Urlaub zur Verarbeitung bereit und wollen mit Leben gefüllt werden.
Es gab viel zu sehen, dieser Tagesbericht wird also eine eher bildreiche Geschichte.
Here we go!

25.03.2009:
Wir erwachen, es ist Mittwochmorgen, die letzten beiden Tage unseres Urlaubs stehen bevor.

Auf historischen Pfaden
Ich weiß nicht, ob es in New York so etwas wie „die“ Touristenattraktion gibt – die Stadt ist einfach zu groß und bietet für wirklich jeden Geschmack eine reichliche Auswahl an Attraktionen.
Unser heutiges erstes Ziel ist aber sicher ganz vorne dabei, wir tun uns den Trip zur Freiheitsstatue und nach Ellis Island an.

Unser frühmorgendlicher U-Bahn-Trip führt uns wieder zur South Ferry, wie schon am zweiten Tag. Dieses Mal nehmen wir aber nicht die orangefarbene Staten Island Ferry, sondern stellen uns brav in die bereits respektable Schlange vor der anderen Fähre, die sowohl die Statue als auch Ellis Island anfährt.

Pier 6

Begrüßungskommando am Pier

Da es noch sehr früh am Morgen ist, müssen wir nur ca. 50 m anstehen und nicht die sonst obligatorischen 400 bis 500 m, die wir zuvor schon beobachtet haben; außerdem geht hier alles relativ schnell und so wird uns auch nicht langweilig.
Der erste Lacher kommt kurz vor dem Kontrollzelt, wo uns erklärt wird, was wir alles NICHT mitbringen dürfen.
Okok, keine Bomben!

Es folgt die übliche Anti-Terrorkontrolle, volles Programm. Schuhe aus, Gürtel aus, Taschen aufs Band, alles durchleuchten. Nacktscanner kommen hier bestimmt auch irgendwann zum Einsatz. Aber was soll’s, es geht ganz fix und danach stehen wir auch schon auf der Fähre und werden unser Ticket los.
Ellis Island Ticket

Das Bötchen ist ziemlich voll, man hört mal wieder ein babylonisches Sprachgewirr, der Großteil der Besucher sind aber Schülergruppen aus den USA.
Der erste Stop ist Liberty Island, hier bleiben wir aber an Bord. Die Statue selbst kann man eh nicht besteigen und um auf der Insel rumzulaufen ist uns die Zeit zu schade, wir wollen ins Museum von Ellis Island.
Also weiter gehts.

Statue of Liberty

Statue of Liberty

Gehts jetzt endlich los?

Ellis Island

Ellis Island, das Herz der amerikanischen Einwanderungsgeschichte. Hier wurden ab 1892 bis in die 1950er Jahre insgesamt ca. 12 Millionen Menschen durchgeschleust, zu Hochzeiten eine vollkommen industrialisierte Einwanderungsmaschine (1907 wurden über eine Million Menschen durchgepaukt).
Das Museum fasziniert, es gibt Einiges zu sehen, z. B. die Aufenthaltsräume, die große Halle, bekannt aus Film und Fernsehen („Hitch“ oder etwas historischer auch in „Der Pate Teil 2“). Es gibt einen wirklich informativen Film, der die Geschichte der Einwanderung und der Insel zusammenfasst, wirklich witzig ist hier das kleine Geschichtsquiz vor Filmstart, in dem die Museumsangestellte in gestrengem Ton historische Fakten abfragt und die anwesenden Schulklassen ordentlich ins Schwitzen bringt.

Für Amerikaner muss dieser Ort etwas Magisches haben. Ich habe die Zahl nicht mehr genau im Kopf, aber um die 150 Millionen Amerikaner – also ungefähr die Hälfte – haben direkte Vorfahren, die über die Insel in die USA kamen. Für einen Inländer also ein wahrhaft historischer Ort, der selbst uns Ausländer bewegt und beeindruckt.

Die große Halle

Bequeme Betten

Noch mehr bequeme Betten

Man kann eigentlich nur einen kleinen Teil der Insel (die heutzutage für die Angestellten über eine Brücke mit dem Auto erreichbar ist) betreten, der Rest steht leer, verfällt oder wird für die Verwaltung genutzt.
Hier mal ein Bildchen, wo man (ungefähr) überhaupt hinkommt.

Ellis-Island - begehbarer Bereich

Hier die übliche Luftansicht, einmal bei Google, einmal bei Microsoft. (sehr lohnenswert, einfach mal die Ansicht drehen und wenden)

Besonders beeindrucken kann die „Wall of Honor„. Hier erkauften sich Einwanderer oder deren Nachfahren quasi ihren Platz in der Geschichte.
Gegen eine Spende zwischen 100 und 10.000 Dollar kann jedermann einen Eintrag seines Vorfahren auf eine riesigen Edelstahlwand erstehen, was offensichtlich der Eine oder Andere schon getan hat.

Ellis Island - Wall of Honor

Ellis Island - Wall of Honor

Ellis Island - Wall of Leichsenring

Ellis Island - Wall of Blau

Ein Highlight ist dann der klassische, kitschige, millionenfach gesehene Blick auf die Skyline Manhattans, aber ich kann nicht anders, auch hier ein paar Bilder.
Besonders schön ist das grinsende Fernglas.

Klein-Olaf, Groß-Manhattan

This is it!

This is us!

Nachdem wir uns sattgesehen haben, begeben wir uns zur nächsten Fähre und treten wieder die Reise zurück an.

Empire State of Mind
Wir haben noch reichlich Zeit bis zum Abend, also wandern wir nochmal ein paar Blocks durch die Gegend, um das Flatiron-Building anzusehen und von dort zum Empire State Building zu laufen, von wo unsere U-Bahn zum Hotel fährt.
Der kurze Weg (ca. ein Kilometer, 10 Blocks) vom Flatiron zum Empire State Building führt uns durch den größten Kontrast von Stimmung, Umfeld und Menschen, den wir bisher in der Stadt auf derart kurzem Weg erfahren haben.
Zwischen beiden Punkten kommen wir durch ein Viertel, in dem wir als „Weiße“ das erste Mal in der Minderheit sind. Wo man geht und steht dunkelhäutige Menschen, wie immer gut gemischt und aus aller Herren Länder, aber eben keine Weißbrote.
Das darf jetzt bitte keiner falsch verstehen, wir kommen uns nicht vor wie im Ghetto (weil es keines ist), wir haben keine Angst oder Sorge, aber die Perspektive verschiebt sich auf einmal ganz gewaltig, und das nur, weil man anders aussieht, als „der große Rest“ der Umgebung. Ein sehr seltsames Gefühl, das einem als jemandem, dem Hautfarben eigentlich vollkommen egal sind, eindrucksvoll zeigt, wie anders es sich anfühlt, wenn man selbst auf einmal Derjenige ist, der „außen“ steht.
Und das, obwohl wir ja eigentlich mitten in DER Stadt sind, wo alle freundlich schauen und einfach nur ihren Geschäften nachgehen.
So spaziert man also vom durchaus hübschen Madison Square Park durch ein etwas ärmlicheres Viertel. Der Broadway ist hier gar nicht so breit und von Block zu Block wird die Gegend erst einfacher, die Häuser flacher und ärmlicher und dann geht es Schlag auf Schlag – nach ein paar Minuten ist man wieder mitten auf der 5th Avenue mit all ihrem Pomp und Getöse.

Flatiron Building

Empire State Building

Vorbereitung auf den Abend
Wir laufen noch schnell zur Penn Station, kaufen und Zugtickets und bereiten uns auf den Abend vor, denn wir planen unseren einzigen Ausflug des Urlaubs, der uns aus New York heraus führen wird, ganze 20 Kilometer weit nach New Jersey auf ein Rock-Konzert.

Oho.

Doch zunächst den Bahnhof inspizieren, damit wir am Abend auch wissen, wo wir hin müssen, wann wir mit welchem Zug fahren können und um zu vermeiden, kurz vor knapp ohne Ahnung in der Rush Hour am Bahnhof zu weinen.

Bahn-Karte

Unser Weg wird uns nach „Glen Ridge“ führen, doch vorher müssen wir auf dem Hotelzimmer ausruhen und uns den Bauch bei Taco Bell vollschlagen, wohl bekomm’s.

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New York – Tag 5 – Teil 2

U Turn:
Zum Abendessen sind wir schon wieder mit Tim verabredet, der uns dieses Mal zum Sushi Essen mitnehmen will, doch vorher haben wir noch 2 Stunden Zeit, ideal um einen weiteren „kleinen“ Spaziergang zu unternehmen.

Wir fühlen uns eigentlich immer noch ziemlich k.o., aber eine kleine Runde wird schon gehen …

Central Park, Manhattan

Der Park ist ja ganz in der Nähe, nach 3 Minuten Fußmarsch sind wir auch schon da und laufen einfach eine Weile dort herum.
Das Gefühl ist sehr eigenartig – man ist wirklich relativ weit weg von dem ganzen Krach der Stadt und fühlt sich „im Grünen“. Andererseits ist man mittendrin, rundum stehen Wolkenkratzer und die überaus schicken Häuser der Upper East und Upper West Side.

Den meisten Verkehr machen noch die Horden von Joggern, Inline-Skatern und Radlern aus.
Ich sollte eher sagen die „Joggerbots“, denn was da herumrennt, sind keine gewöhnlichen Jogger, nein, das sind Kampfmaschinen auf zwei Beinen.

Joggerbots im Central Park

Diese Menschen laufen nicht, sie rennen in einem Affenzahn die Hügel hoch und runter und überholen dabei selbst langsame Autos und die gemütlich kreisenden Düsenjets.
Ok, ich übertreibe, aber was da zusammengerannt wird, ist schon beeindruckend.

Wir schlängeln uns durch die Robotermassen, genießen den Ausblick, kommen am MET vorbei und landen bald vor dem unglaublich gut aussehenden Guggenheim Museum.
Leider haben wir in der kompletten Woche keine Zeit und keinen Nerv für einen oder mehrere Museumstage, aber wir sind ja nicht das letzte Mal da.

Ich habe mal www.jogmap.de genutzt, um unsere Route in etwa abzuspeichern. Der Informationsgehalt ist wohl nicht soooo hoch, aber es gefällt mir ganz gut; außerdem kann ich so auf 1-2 Stellen hinweisen, wo wir Pause machen.
Jogmap-Route
Am Guggenheim-Museum mache ich ein Selbstportrait à la Jahrmarkt:

Spiegel-Spass

Vor uns das leidlich bekannte Guggenheim-Museum, welches wir beim nächsten New-York-Besuch bestimmt nicht nur von außen sehen werden.

Guggenheim-Museum

Wir wandern einmal komplett um den großen Teich, das „Jackie Kennedy Onassis Reservoir“ herum, weichen weiteren Horden der Joggerbots aus und genießen die Stimmung und den Sonnenuntergang.

Skyline

Skyline nach Westen
Skyline
Blick aufs GE Building The Rock
Blick aus dem Central Park auf die West Side

Die Gegend wirkt geradezu beschaulich, was sich natürlich sofort ändert, als wir den Park verlassen und uns durch die Upper West Side in Richtung Restaurant kämpfen.

Nach ein paar weiteren Minuten Spaziergang stehen wir auch schon vor unserem Abendziel, dem „Amber„.
Moment, „Amber“? Wollten wir nicht Sushi essen gehen?
Egal – nicht alles, was Sushi ist, muss gleich „Tokyo“ oder „Fuji“ heißen, die inneren Werte zählen schließlich.
Also hereinspaziert und mit Tim einen richtig guten und leckeren Abend gehabt. Nebenbei haben wir einmal wieder gelernt, dass wir uns auch an Mini-Häppchen richtig überfressen können. Amber ist definitiv ein Tipp – das Ambiente im Laden ist schon ein Knüller, das Essen auch.

Am späten Abend dann der letzte Spaziergang nach Hause, vorbei an der Met, aus der Ferne sehen wir den Time Square glühen, wollen aber nur noch ins Bettchen.

Gute Nacht.

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Medienrhetorik, wie sie sich das Marketing wünscht

Ich könnte mich gerade so richtig aufregen.
Wenn ihr heute mal Radio hört, speziell die Nachrichten (hier: SWR3), könnte euch eine Meldung unterkommen, nach der die derzeit bekannte und beliebte Sudelfirma BP im Laufe des Wochenendes an ihrem Desaster-Bohrloch im Golf von Mexiko eine neue Deckel- und Auffangvorrichtung baut.

Wir bedenken, das Öl fließt seit 22. April, also seit bald 3 Monaten ins Meer und seitdem bastelt und frickelt man dort verzweifelt, um die Sauerei einzudämmen.

Und was sagen die Nachrichten heute (sinngemäß)?

Die neue Auffangvorrichtung wird im Laufe des Wochenendes eingebaut und soll dann bereits(sic!) ab kommenden Montag einen Großteil des austretenden Öls auffangen.

Dem BP-Marketingstrategen, der in die Pressemeldung das kleine „bereits“ eingeschmuggelt hat, ist nur zu gratulieren und dem Nachrichtenredakteur, der es nicht entfernt, sondern hirnbefreit diesen höhnischen Mist runterliest gehört der Hintern mit einer Käsereibe geputzt.

Ich glaube, die Millionen Tiere, Küstenanwohner und die Umwelt freuen sich ungemein, dass „bereits“ ab Montag nichts bzw. nur noch wenig Öl kommen wird. Bereits bereits bereits.

In den letzten Tagen spült das Meer übrigens „reisebusgroße“ Öl… ja was eigentlich, Ölhaufen, Ölklumpen, Ölbrocken an Land.
Das wird dann ja „schon“ in 20 Jahren kein Thema mehr sein.

Danke, liebe Nachrichten.

New York – Tag 5 – Teil 1

Du gute Güte, schon wieder 2 Monate her seit dem letzten Blogpost. Ich komme dann mal den vereinzelten Bitten um Fortsetzung nach und widme mich wieder dem Verfassen von Reiseberichten.

Wir schreiben Dienstag, den 24.03.2009, in New York scheint immer noch die herrlichste Frühlingssonne bei 11-20°C und das Power-Urlaubs-Team Blau-Leichsenring hat einen weiteren langen Tag vor sich.

U Go:
Wir beginnen den Tag … ach wie immer halt … mit Kaffee im Becher, Oatmeal aus der Pappe, Scone aus der Hand und einem ausgedehnten Spaziergang.
Heute laufen wir direkt vom Hotel erst einmal immer nach Osten und wenden uns dann irgendwann gen Süden, um hier zu landen:

Größere Kartenansicht

Na wer hats erkannt?
Genau! Das UN-Hauptquartier.

UNO:
Wir starten also mit ein wenig Bildungsprogramm und wollen uns das UN-Hauptquartier anschauen samt Führung.
Doch vor der Bildung steht – wie so oft – ein umfassender Sicherheitscheck. Okay, wir sind hier gewiss an einer exponierten Lokalität „New York – Tag 5 – Teil 1“ weiterlesen

New York – Tag 4 – Nachtrag

Hoppala, da fiel mir doch direkt nach Veröffentlichung des Artikels zu Tag 4 ein, dass mir ein total wichtiger Teil des Tages entfallen war.

Das Mittagessen.

Großer Fehler, großer, großer Fehler.
Somit schiebe ich jetzt kurz den Bericht hierzu dazwischen, und für spätere Zeiten füge ich das später auch in den eigentlichen Artikel ein.

Also, nach dem Wandern, Staunen, Schlafen und Augen-aus-dem-Kopf-Glotzen ist das Essen unser wichtigster Zeitvertreib in der Stadt, somit darf „New York – Tag 4 – Nachtrag“ weiterlesen

New York – Tag 4

Es ist Montag (der 23.03.2009) – endlich mal die Stadt an einem Werktag erleben!
Wir kamen zwar Freitag bereits an, waren da aber noch total geplättet von der Anreise und konnten nur die beschriebene kleine Stippvisite machen.
Nun also auf ins Gewühl; die Woche beginnt, die Stadt erwacht nochmal deutlich lauter, voller und agiler als am Sonntag.

Shoppingwahn:
Unser Frühstück nehmen wir – wie in den folgenden Tagen auch – bei Starbucks zu uns, das 3,95$-Sparfrühstück bestehend aus Kaffee und Scone bzw. „Perfect Oatmeal“ hatte ich ja bereits beschrieben.

Wie beginnt man nun am besten eine neue Woche?
Genau, Geld ausgeben.
Und wo geht das am besten? Nun, da hat wohl jeder seine eigenen Vorlieben, und jeder darf jetzt mal kurz in Verschwendungsträumen schwelgen, derweil machen Sarah und ich uns auf den Weg zu Macy’s, dem größten Kaufhaus der Welt.
Auf dem Weg dorthin kommen wir hier vorbei, bei sehr schönem Licht:

Empire State Buidling

Macy’s ohne Plan:
Doch nun auf ins Shoppingvergnügen.
„New York – Tag 4“ weiterlesen

New York – Tag 3 – zweiter Teil

So, es ist an der Zeit.
Ich merke, dass ich irgendwie nur im Urlaub oder an Wochenenden – wenn ich so richtig entspannt bin – schreiben kann.
(In Anbetracht meiner Aufsatzkünste in der Schule ist das doch ein gewaltiger Fortschritt, damals klappte das nämlich quasi nie, zumindest nicht lesenswert, fragt meine Eltern!)
Also los, es ist Samstag, die Sonne scheint, ich haue dann mal in die Tasten.

Wir rekapitulieren nach langer Schreibpause: Der Tag (Sonntag, der 22. März 2009) begann mit Frühstück im Europa-Café, einer ausgedehnten Wanderung durch Greenwich Village sowie gute Teile Manhattans und wir bewegten uns auf das erste kulturelle Highlight zu, den Besuch in der kleinsten Oper der Welt.

La Bohème

Eine kurze Geschichtsstunde:
Wir schreiben das Jahr 1948. Der Italo-Amerikaner Anthony Amato hegt einen Traum: Sein eigenes Opernhaus.
Kein großes gewaltiges, keine Konkurrenz zu den etablierten Häusern von Welt, sondern ein Haus, welches jungen Kunstschaffenden die Gelegenheit geben soll, Auftrittspraxis zu sammeln.
Gesagt, getan – er gründet gemeinsam mit seiner Frau die „Amato Opera“. In den ersten Jahren zieht man noch umher und gibt Vorstellungen in den verschiedensten Häusern. Seit 1964 hat man dann ein eigenes Gebäude zur Verfügung, 319 Bowery Street, ein damals schon 65 Jahre altes, schmales, enges Gebäude. Mit viel Kreativität, Geschick und unter Ausnutzung aller Ecken und Winkel schafft man es, in diese Mauern einen Zuschauerraum für ganze 107 Zuschauer (und evtl. noch einen halben) samt Empore, Bühne und „Orchestergraben“.
Im Laufe der Zeit stehen auf der Bühne geschätzte 10.000 Sängerinnen und Säger, die in über 60 verschiedenen Opernproduktionen auftreten.

2009 – das Jahr unseres Besuches – ist die 61. Spielzeit und gleichzeitig die letzte. Im Mai 2009 fällt der rote Samtvorhang zum letzten Mal, das Haus wird schließlich verkauft und Mr. Amato – inzwischen stramme 89 Jahre alt – will laut eigener Aussage „einen neuen Lebensabschnitt beginnen und sich anderen Dingen widmen“.
Ganz richtig, der alte Herr steht und stand bis zuletzt auf und unter der Bühne, leitete das Haus und die Aufführungen, begrüßte herzlich seine Gäste und trat keinen Schritt kürzer. Beeindruckend!

Mehr zur Geschichte:
Die ZEIT
GEO

Und wie kommen wir dahin?
Gute Frage, wie kommen wir eigentlich auf die Idee, uns in gerade dieses Abenteuer zu stürzen?
Ja, wie haben wir überhaupt davon erfahren?
Ganz einfach, vor ca. 2 Jahren sahen wir eine Reportage gesehen (ein Hoch auf die Reportagen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens), in welcher die ganze Geschichte und der Alltag in der Amato Opera ausgiebig erzählt wurde.
Abgesehen von der schieren Kuriosität des Hauses und der „Qualität“ der Aufführungen hatte uns damals schon die Energie und Leidenschaft, mit der Tony Amato sein Lebenswerk auch im Greisenalter noch betreibt, höchst beeindruckt.
Als ich dann nach etwas Programm für unsere Reise suchte, fiel mir die Oper natürlich wieder ein und ich kaufte kurzerhand zwei Karten für „La Bohème“ – gerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf wurde bekannt, dass die nächste Spielzeit die letzte sein würde. Welch ein Glück für uns.

Das Erlebnis
Genug der Vorrede, ich komme jetzt mal zum Thema zurück, unserem Besuch und der Aufführung.
Wie dem Bild aus dem Programmheft oben zu entnehmen ist, beginnt „unsere“ Vorstellung um 14.30 Uhr, eine weitere Besonderheit dieses Hauses. Der Anspruch der Amatos war nicht nur, jungen Künstlern und Hobbysängern eine Bühne zu bieten, sondern auch, Familien und weniger betuchten Besuchern einen Opernbesuch zum einen finanziell zu ermöglichen, zum anderen aber auch zu familienfreundlichen Zeiten anzubieten. Daher der Sonntagstermin zur ungewöhnlich frühen Stunde, welche es den Besuchern jedoch erlaubt, nach der Vorstellung noch den Abend zu genießen oder die Kinder früh ins Bettchen zu stecken.
Wir treffen also zeitig am Ort des Geschehens ein und sind erstmal geplättet, weil das Haus in Realität nochmal viel kleiner und schmaler wirkt als im Film und auf Bildern.

Amato Opera

Amato Opera

Drei Fensterreihen, geschätzte 5 Meter von einer Seite zur anderen, und das war’s auch schon.

Die nächste halbe Stunde vergnügen wir uns, indem wir die weiteren Gäste beobachten.
Wir sind nicht nur die jüngsten Besucher, wir sind auch deutlich „underdressed“: Selbst bei läppischen 25 Dollar Eintritt wirft sich die geneigte Mutter/Oma von Welt gerne in Schale (oder auch in den gammligen Pelz von Mutters Mutter).
Wir in unserer Touristenkluft fallen zwar nicht weiter unangenehm auf, passen aber nicht so recht zu vielen der nach besten Kräften gestylten Besucher. Gottlob sind wir in Amerika, auch hier gibt es die unvermeidlichen T-Shirt-Träger und Bundfaltenhosen-Papas im Freizeitstil.
Doch selbst wenn wir im Lumpensack gekommen wären … wen schert’s, uns kennt ja doch keiner 🙂

Die Türen öffnen sich, wir können endlich rein.
Wenn das Haus von außen klein wirkt – innen hat man das Gefühl, sich in einem bestuhlten Fuchsbau zu befinden.
Der Weg führt uns zunächst in den Keller, dort ist der Zuschauerraum, die Garderobe und die „Snackbar“, an der man sich stärken und der Oper ein paar Merchandise-Dollar in die Kasse spülen kann.
Wir verzichten, suchen unsere Plätze auf (schön weit vorne) und genehmigen uns einen ausführlichen Rundblick.

Amato Opera - Zuschauerraum

Der Zuschauerraum, Blick von vorne nach hinten. Ganz hinten sieht man schemenhaft die Garderobe, auf der linken Seite kommen vielleicht noch 2 Reihen Stühle, nicht mehr.
Amato Opera - die Empore

Die beeindruckende Empore, „Loge“ will ich es nicht nennen.

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber der Raum ist so eng und klein, dass es ohne Weitwinkelobjektiv schlicht unmöglich ist, auf einem Bild alles unterzubringen, man kann einfach keinen Schritt zurückgehen, um den Bildauschnitt zu vergrößern.

Doch halt, wofür habe ich eine Frau Spielberg, die mit der Kamera filmt und und hier einen Michael Ballhaus-würdigen 360-Grad-Schwenk produziert. Doch seht selbst:

Mitten im Witzeln über die Mitbesucher stellen wir fest, dass unsere direkten Sitznachbarinnen Deutsche sind, also von nun an VORSICHT mit den bösen Sprüchen …

Die Vorstellung beginnt.
Ich hab ja keine Ahnung von Oper im Allgemeinen, von La Bohème im Speziellen noch viel weniger, also kann ich vollkommen unbelastet die Vorstellung genießen … ähm, nun ja … erleben.
Was uns hier erwartet ist schon sehr eigen. Wie gesagt, die Oper bietet Nachwuchssängern, Hobby-Nachtigallen und Möchtegern-Carusos die Gelegenheit aufzutreten. Die Qualität der Sänger schwankt somit von „wow“ bis hin(ab) zu „ich will hier weg“.
Wir haben beide sehr gute Ohren und – ganz unbescheiden – auch ein trainiertes musikalisches Gehör. Selbst bei hochwertigen Aufnahmen, Auftritten oder sonstigen Darbietungen nehmen wir damit auch „Fehler“ wahr, die viele andere Menschen eben nicht wahrnehmen.
Insofern bietet das Gajaule der Gesang der Sopranöse durchaus Gelegenheit, unsere angeborenen Fluchtreflexe kontrollieren und beherrschen zu üben, was uns bravourös gelingt.
Der Aufführung an sich mangelt es an nichts: Es gibt Bühnenumbauten, Massenszenen und alles, was man sich vorstellt, sogar englische Untertitel für den italienischen Text werden geboten.
Wie bereits bemerkt, die Gesangsleistungen sind teilweise auch durchaus hörenswert (der Tenor!) und die Zeit vergeht fix, am Schluss sind alle tot (oder so) und wer es nicht ist, lebt weiter bis ans Ende seiner Tage.

Alles in allem ein Erlebnis der Extraklasse – skurril, witzig, eingeschränkt kulturell empfehlenswert, aber herzerwärmend und ein rundum toller Nachmittag.
Zum Abschluss noch ein Blick in den Orchestergraben, in dem vier Leute ihre Nasen aneinanderreiben.

Amato Opera - der Graben

Wir kriechen aus dem Fuchsbau und vernehmen ein dumpfes Donnergrollen.
Nein, es nähert sich keine Schlechtwetterfront, unsere Mägen hängen auf Halbmast, wir verspüren einen ganz leichten Hunger.

Nahrungsaufnahme
Also begeben wir uns auf die Jagd, was in der Neuzeit nur heißen kann, dass wir uns ein Restaurant suchen, welches unsere Magenkrankheit behandelt.

Die bekannte Bleeker Street ist direkt um die Ecke, dort findet sich an jeder Ecke ein Restaurant, die Auswahl ist schier endlos, nur die Frage, was wir eigentlich wollen, was wir zu bezahlen bereit sind, ob und wie lange wir anzustehen bereit sind, stellt uns zwei Entscheidungsneurotiker vor ungeahnte Schwierigkeiten.
Der Reiseführer empfiehlt „Joe’s Pizza“ als eine der besten Quellen für bezahlbare Steinofenpizza, nur leider ist die Schlange vor der Bude ziemlich lang und wir suchen erst einmal weiter.
Nach gefühlten zwei und tatsächlich nur einer Stunde erfolgloser Suche kehren wir doch wieder zu Joe’s zurück und reihen uns in die Schlange ein.
Die Geschwindigkeit, mit der es hier vorangeht, haben wir vollkommen falsch eingeschätzt, denn anstelle der befürchteten Stunde stehen wir nur ca. 5-10 Minuten und bekommen auch schon einen Platz zugewiesen.
Die Pizzen sind wirklich günstig (20 Dollar pro Wagenrad-Pizza) und riesig, genau das Richtige für unsere Schrumpfmägen. Dazu sind sie noch richtig lecker, wir hauen also ordentlich rein und lassen nichts übrig.

Joe's Pizza

Sarahs Pizza

Unscharf, meine Finger zitterten noch vor Hunger, aber man kann die Dimensionen erahnen.

Nach dem ausgiebigen Mahl begeben wir uns auf den Heimweg, um eine kleine Pause (wie wäre es mit einer gazen Nacht erfrischenden Schlafes?) zu machen, immerhin sind wir schon wieder unzählige Stunden und Kilometer unterwegs gewesen.

Auf dem Weg ins Hotel hören wir – wie ständig in der Stadt – noch die eine oder andere Sirene, und selbst die sind es wert, ihnen einige Zeilen zu widmen.

Sirenen
Sarah hatte mir schon von ihren vorherigen Aufenthalten in der Stadt die abenteuerlichsten Geschichten über die „Kunst“ der Sirenenbediener von Polizei und Feuerwehr in New York erzählt.
Reine Wunderdinge sollen die mit ihren Tröten vollbringen, kleine Sinfonien in Moll, Dur und neuzeitlichen Tonarten produzieren und angeblich klingt kein Signalhorn wie das andere.

„Feuerwehrlatein“ dachte ich nur und wurde eines Besseren belehrt.

Was man hier geboten bekommt ist tatsächlich so einmalig, unbeschreiblich und anders, dass ich einfach darüber schreiben muss.

Dem geneigten Sirenenmaestro stehen sage und schreibe 5 verschiedene Signaltöne zur Verfügung, vom „gellenden Schrei“ über das „Heulen“ und „Jaulen“ hin zum klassischen „Martinshorn“ und dem Videospielartigen „Fast„.

Aus diesem Arsenal bastelt sich jeder Fahrer seine individuelle Kakophonie der Abschreckung zusammen und spielt virtuos auf der Klaviatur des Gejaules (ob sich die Sopranöse aus der Amato Opera in einen Sirenenautomaten eingeschlichen hat?).
Der interessierte Zuhörer erlebt – wenn er sich mal darauf konzentriert – tatsächlich einen sich stetig wandelnden Klangteppich, die Officers übertreffen einander stetig in neuen Varianten der kreativen Anordnung obiger Töne. Es jault, sirrt, zwitschert und singt in ungekannter Vielfalt, eine wahre Pracht.

Ein sehr interessanter Artikel zu dem Thema findet sich bei der New York Times.
Ohrenbetäubende Sinfonie mit dem Maestro in Blau
Bei Youtube finden sich noch einige Beispiele, leider habe ich nichts gefunden, was wirklich die „Kunst“ erkennen lässt, also müsst ihr mir einfach glauben 🙂
Einige eher konservative Sirenen“durchklingler“

Der Gesang der Sirenen kann uns jedoch nicht auf Irrwege führen – wir finden mühelos den Weg ins Hotel, wo unsere kurze Ausruhphase in ausgiebigen Grunzern auf den King-Size-Betten endet, wir erwachen am nächsten Morgen, es ist Montag.

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New York – Tag 3 – erster Teil

Hallihallo, ich begrüße alle Leserinnen und Leser zum neuesten Teil meines kleinen New-York-Reiseberichts.

Ein wichtiger Hinweis:
Mich haben schon mehrere Leute angesprochen und waren ganz verwundert, dass sie mich jetzt gerade hier (in Deutschland) antreffen, sie dachten, ich sei doch in New York.
Unsere Reise fand im März 2009 statt, wir sind also schon eine Weile wieder da. Ich schreibe das Ganze jedoch im Präsens, weil mir das einfach passender erscheint. Außerdem hatte ich bisher schlicht weder Zeit noch Nerven, mich jeweils ein paar Stunden hinzusetzen und Artikel zu schreiben – daher lagen die Manuskripte einige Monate „auf Halde“.

Also auf ins Vergnügen, der dritte Tag (Sonntag, 22. März 2009) steht an.

Frühstück und Greenwich Village
Immer noch beglückt vom über Nacht verstoffwechselten Burger erwachen wir und beginnen den Tag direkt mit dem Frühstück. Wir haben aus den Erlebnissen des Vortags gelernt und verzichten auf langwierige Suchaktionen.
Diversen Reiseführern zufolge soll das Frühstück in den Filialen von „Europacafé“ gut und bezahlbar sein, das nächste ist – wie nicht anders zu erwarten – an der nächsten Straßenecke, also rein ins Vergnügen.
Für mich gibt’s ein klassisches Frühstück, Madame bekommt ein schleimiges Oatmeal.

Oatmeal

French Toast

Fazit: In Ordnung, aber noch steigerungsfähig.

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