Olaf lernt tauchen – ein Erfahrungsbericht

Vorwort:
Es ist ja nun echt schon ne Weile her mit dem letzten Blogbeitrag, der letzte Reisebericht auch und derweil sich hier handgeschriebene Reisetagebücher anhäufen und Bilder Gigabyteweise auf den Festplatten schlummern, muss ich mal wieder wertvollen Inhalt produzieren.

Ich beginne mit einem Erfahrungsbericht, „Olaf lernt tauchen“.

Zugetragen hat sich alles in unserem Thailand-Urlaub im Oktober 2010, die Aufzeichnung hatte ich damals genau so verfasst und gebe sie jetzt einfach wieder, das ganze ist also ziemlich ungefiltert.

Olaf Leichsenring, 10. 4. 2012

ohne Worte

Meine Knie bluten, die Ellenbogen sind aufgeschürft, der Magen ist so leer, wie er nur leer sein kann, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr.
Wirklich nochmal eine Stunde Bootsfahrt bis zum rettenden Hafen? Ich will sterben.

Doch halt, drehen wir die Uhr 2 Tage zurück.


Fun Fact #1
Taucher sind sexy

Wer findet es nicht, Taucher sind irgendwie anziehend, die Mädels in ihren hautengen Neopren-Schläuchen, die Jungs ebenso, braungebrannt, meistens die typische „hang loose“-Einstellung auf die Stirn tätowiert. Rrrrrrrrr.

Fun Fact #2
Olaf will tauchen

Ich wollte das schon immer mal probieren, unter Wasser sein, schweben, atmen können und rumgucken, muss doch toll sein, oder?
Unser Thailand-Urlaub führte uns unter anderem nach Ko Phi Phi, einem Tauchparadies, wo sich auf engstem Raum dutzende Tauchschulen tummeln und wir beim Spaziergang durch die Gassen alle 30 Sekunden gefragt werden „wanna dive?“.

We want to!

Vorspiel:
Wir suchen uns also eine nette Tauchschule raus, indem wir uns bei mehreren beraten lassen, die Preise sind überall gleich, die Leistungen nicht ganz, v.a. das Verhältnis der Anzahl von Tauchlehrer zu Tauchschüler unterscheidet sich teilweise stark.

Wir entscheiden uns für einen „Open Water“-Tauchkurs nach dem Format der Organisation PADI, der aus 3 Tagen Unterricht besteht, jeweils ein Theorieblock und verschiedenen Tauchübungen sowie 4 Tauchgängen in 12/14m Wassertiefe.

mein Tauchlehrer mit seiner Frau

Die Theorie geht leicht von der Hand, unser symphatischer Lehrer John aka „Nash“ vermittelt uns die nötigen Grundlagen (basierend auf Trainingsvideos und umfangreichen Büchern) sehr anschaulich und engagiert.

Abtauchen:
Die ersten Übungen machen wir im seichten Wasser am Strand der Insel, wir üben das Aufblasen des BCD, den Gebrauch der Atemmaske, das anlegen der Flasche usw.

Einwurf: Falls ich englische Begriffe benutze, ich hatte den Kurs und das Kursmaterial auf Englisch gebucht…

Die Übungen gehen weiter, Mundstück rein uns raus unter Wasser, Brille fluten und wieder freiblasen, BCD abnehmen und erneut anlegen unter Wasser, geht ja alles ganz leicht, ich bin überrascht.
Sarah gefällt das alles gar nicht, sie kriegt Panik und bricht das Ganze relativ schnell ab, immerhin weiß sie jetzt, dass Tauchen ganz sicher NICHTS für sie ist.

Die erste Übung, die mir schwer fällt ist das Abnehmen der Brille unter Wasser. Sofort setzt ein Angstreflex ein, der Atem stockt, ich will am liebsten sofort hoch, kriege mich aber wieder in den Griff.
Atmen!
Atmen …
Brille wieder aufsetzen, auspusten, alles gut.

Einmal tief durchschnaufen und gleich nochmal, es fühlt sich immer noch nicht berauschend an, geht aber schon besser.

Damit endet der erste Tag, es gibt noch eine Theorieeinheit am Abend und für Tag 2 ist gleich frühmorgens um 7 der erste echte Tauchgang angesetzt, ich bin aufgeregt.

Fun Fact #3: Sprüche zum Beschlagschutz der Taucherbrille:
„The whiter, the brighter“
„The greener, the cleaner“.

Interpretation ist jedem selbst überlassen. 🙂

Zwischenrein ein paar Bilder der Insel.

Longtail-Boote im Hafen von Ko Phi Phi
stoned in Stones Bar

Der größte Fehler seit langem
7 Uhr, Tauchshop, die Laune ist prächtig, es geht auch gleich aufs Boot. Frühstück habe ich mir um die Uhrzeit gespart, es gibt ja später auf dem Boot etwas.

Ein Boot meiner Tauchschule

Kaum sind wir auf dem Meer fällt mir ein, dass ich Idiot vergessen habe, eine Reisetablette einzuwerfen.

Dazu muss ich loswerden, dass ich einen ziemliche Memme von Magen habe, mir wird schon auf der Rückbank im Auto schlecht, Busfahren vertrag ich gar nicht gut, Achterbahnen liebe ich, mir wird trotzdem immer wieder schlecht wie nochwas und Langstreckenflüge ertrage ich auch nur dank der wunderbaren Wirkung von Reisetabletten.
Auch die 2-stündige Fährfahrt vom Festland nach Ko Phi Phi habe ich dank Reisetablette ohne Probleme überstanden, mir ging es sogar wirklich gut trotz respektablem Wellengang.

Leider braucht so eine Pille ca. 30 Minuten, bis sie wirklich wirkt und als ich die erste auf dem Tauchboot einwerfe wird mir schon leicht übel und es ist im Grunde zu spät.
Nash ruft mich zur Vorbesprechung aufs Oberdeck, aber ohweh, dort schaukelt es ja noch viel mehr.
Ich merke, dass mir die Konzentration auf seine Ausführungen schwer fällt.
Wo kommt nur der kalte Schweiß auf meiner Stirn her?
Es ist 7 Uhr 35, wir haben ca. 27 Grad Celsius und meine Stirn fühlt sich nach Gefrierpunkt an.
Ich muss runter
An die Luke.
Jetzt!

Ich suche mir also eiligst das erste Mal einen ruhigen Platz an der Bordwand, wo ich mir das Meerwasser ganz ungestört anschauen kann und wo ich die anderen mit meinen Geräuschen nicht so störe.

Die Ecke und ich werden an diesem Tag noch gute Freunde werden.

10 Minuten später sind wir auch schon am ersten Tauchspot angekommen. Mein Magen hat sich in der Zwischenzeit allen Wassers entledigt und ich ernte erste mitleidige Blicke.

Es ist Zeit, die Kluft anzuziehen, Buddy-Check und … nochmal fix an die Luke.
Irgendwann bin ich bereit, ins Wasser zu gehen, außerdem soll es dort ja viel ruhiger sein und den Magen weniger anstrengen, also ab ins warme Nass.
Während Nash mir noch erklärt, was wir jetzt alles genau machen werden, spucke ich noch etwas rum, worauf er mir erklärt, dass man auch DURCH den Regulator (das Mundstück) durchkotzen kann unter Wasser, sehr beruhigende Vorstellung, mein Magen ist aber sowieso leer.

Tauchen räumt den Mangen auf:
Ok, Hand hoch, BCD entlüften und abtauchen.
Auf der Stelle ist alles gut. Der Zug von 15kg Ausrüstung ist weg, der Magen ist glücklich und mir geht es wundersamerweise total gut.
Wir tauchen auf 12m, machen noch ein paar Ãœbungen und schauen uns dann um.
In den 40 Minuten meines ersten Tauchgangs habe ich wahnsinniges Glück, sehe eine Unzahl kunterbunter Fische, ein Seepferdrchen, einen Clownfisch und eine Muräne.

Wahnsinn.

Kaum sind wir wieder an der Oberfläche meldet sich der Bauch wieder und ich schaffe es gerade so an Bord des Bootes, kann mein Zeug abstellen und stürze mich wieder in „meine“ Ecke, wo ich die nächste Zeit sitzend, kniend und kauernd verbringe.
Mein Magen fährt Achterbahn, Formel 1, macht ein Astronautentraining, alles auf einmal.
Es tut weh.
Ich will doch nur festen Boden unter den Füßen haben, das wird aber noch dauern.
Ich trinke permanent Wasser, damit ich Material zum wieder rausspucken habe.

Wir fahren zur Mittagspause in eine grandiose Bucht bei Phi Phi Leh (dort wurde „The Beach“ gedreht), ich kann leider die Aussicht nicht genießen, das Mittagessen verschmähe ich auch.
Ich habe in der Zwischenzeit versucht, immer wieder mal eine Reisepille einzuwerfen, mein Magen ist aber schon lange im Protestmodus und haut alles unbesehen sofort wieder raus, was ich ihm zuführe.
Nash sagt, es könnte helfen zu schwimmen, also paddle ich 30 Minuten lang ums Boot rum, wirklich gut wird mir leider nicht mehr.

Der 2. Tauchgang rückt in greifbare Nähe. Die anderen albern rum, haben Spaß, ich hocke in der Ecke, verkratze mir die Knie und sehe wohl dermaßen übel aus, dass selbst der Crew die Schadenfreude vergeht.

Runter, runter, runter
Ok, es ist soweit, wir können wieder runter.
Mir tut alles weh.
Noch während Nash in aller Ruhe im Wasser erzählt, was wir dieses Mal vorhaben, bitte ich ihn, direkt zu tauchen, es ist einfach besser da unten.

Auf 12m angekommen sehe ich erstmal einen Hai, der in ein paar Meter Entfernung an uns vorbeigleitet.
Danach folgen Schildkröten mit ihren Putzerfischen, lange, dünne, dicke und runde Fische aller Größen und Farben in Schwärmen.

Eigentlich ist das toll, bei mir kommt im Kopf aber nur die rationale Erfahrung an, das Gefühl hat mein Körper wohl an der Bordwand ausgespuckt.
Noch unter Wasser entscheide ich mich:
Das war’s mit Tauchen für Olaf

Am liebsten würde ich unter Wasser bis zur Insel schwimmen, leider bleibt das ein feuchter Traum in 12m Tiefe, ich muss wieder hoch.

HEIM HEIM HEIM
Die Heimfahrt ist die Hölle. Jedes Körperteil schmerzt, mein Magen verspeist mich von innen, der Bauch ist ein Stein, ich will raus hier, weg, runter von Bord.
Kaum an Land geht’s mir etwas besser, ich muss nur noch Nash klarmachen, dass ich den Kurs nicht beenden werde.

In der Tauchbasis liefen schon Wetten darauf, Nash gewinnt und ich bin sein zweiter Schüler, der aufgibt (die erste war Sarah)
Sorry Nash!

Die nächsten 1,5 Tage verbringe ich in unserem Bungalow im Bett, leidend, später lesend und mich langsam wieder erholend.
Was bleibt sind aufgeschürfte Knie, Ellenbogen und eine hoffentlich einmalige Einsicht in die Welt der Seekrankheit.

unsere Bungalowsiedlung

Nash sagt mir noch, dass er im Leben noch nie jemanden gesehen hat, der dermaßen seekrank war, ich hätte auch gerne drauf verzichtet, mein lieber Scholli.

sehr schicke Bungalows ganz nah am Meer und doch mitten im Wald

Abendstimmung auf Ko Phi Phi
der kitschig schönste Strand der Welt

1,5 Jahre später
Es ist 2012, wir werden im Spätjahr auf Madeira Urlaub machen und in den Monaten nach dem Urlaub wurde mir schon klar, dass meine Entscheidung damals abzubrechen zwar richtig war, ich aber auf jeden Fall nochmal einen Kurs machen werde und das Tauchen – richtig medikamentiert – neu für mich entdecken will, mich zieht’s definitiv wieder unter Wasser.

Also lasst euch nicht abschrecken, Tauchen macht bestimmt Spaß, es ist sicher und denkt nur dran: Reisegold hilft!!!

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