New York – Tag 7 – Das große Finale

Auf zum furiosen Finale meines kleinen Reiseberichts.
Der letzte Tag steht an, die Rückreise muss angetreten werden, doch zuvor bleibt uns ein ganzer letzter Tag in der Stadt der Städte.

26.03.2009, Donnerstag

Resterampe
Wir sind eigentlich nach den letzten 7 Tagen in der Stadt schon ziemlich fertig, immerhin sind wir jeden Tag stundenlang durch die Stadt gewandert und haben unzählige neue Eindrücke mitgenommen.
Unser Flug geht erst am späten Abend, daher bleibt uns der letzte Tag, um uns in aller Ruhe geistig von der Stadt zu verabschieden und ein paar letzte Erledigungen zu machen.

Zunächst mal packen wir unsere Koffer und genießen nochmal einen letzten Blick aus unserem Fensterchen.

Hotelblick mit Carnegie Hall

Hotelblick

Bühnenrampe
Unser erster Weg (NACH Starbucks) führt uns heute mal wieder in den Rockefeller Center, denn dort gibt es noch einen Laden, der es uns angetan hat.
Der „NBC Experience Store“ bietet dem geneigten TV- und Filmfan alles nötige und noch viel mehr unnötigen Kram. Alles rund um die Serien und Filme aus dem Hause NBC/Universal. T-Shirts, Hosen, Jacken, Tassen, Requisiten aus den Serien/Filmen, Poster, Karten, Bücher, Zeitschriften, hässliche kleine Plastikfiguren und ein Haufen Kram, der mir jetzt nicht mal mehr einfällt.
Wir staunen uns eine ganze Zeit lang durch den Laden und kaufen zu guter Letzt ein oder zwei T-Shirts (der Duuuude).
Danach stolpern wir noch eine Weile herum, essen zu Mittag und begeben uns auf die letzte große Wanderung durch die Straßenschluchten.

Laderampe
Habe ich eigentlich schonmal über meine Eindrücke über die Autos „dort“ von mir gegeben? Ich glaube nicht, also hier kommt’s.
Was uns natürlich sofort auffiel war die schiere Größe der dort rumfahrenden Karren. Bei uns in Deutschland sieht man ja auch gerne mal einen Pickup oder regt sich über sinnlos große „Familienkombis“ wie die Mercedes R-Klasse auf („riesiges Schiff, wo parken, überdimensioniert“). Beim wandern in den Straßen von New York bekommt das allerdings eine ganz andere Perspektive. Hier fahren einfach unfassbar viele derartige Monstren durch die Schluchten, brummeln und blubbern großvolumig vor sich hin und nehmen einem die Sicht. 🙂
Grade die R-Klasse hilft uns beim Größenvergleich. Auf der Autobahn denken wir immer obiges (ui, groß), zwischen den ganzen „Schiffen“ fällt das Wägelchen nicht weiter auf und geht vermutlich eher als kompakter Mittelklassekombi durch.
Autofahren (und vor allem parken) ist ja in Manhattan unfassbar teuer (man erinnere sich an die Parkgebühren, auf die ich zuvor schon besprochen habe. Insofern verwundert es wenig, dass man zwar viele Deutsche Marken sieht, diese aber allesamt in Ausstattungsvarianten, die uns nahezu fremd sind.
Kein Audi, Golf oder BMW ist ohne Voll-Leder-Ausstattung, 3L-Motor (Hubraum, nicht Verbrauch) und augenscheinlicher Vollausstattung zu sehen. Offenbar lohnen sich kleinere Varianten nicht und der Sprit ist ja immer noch „billig“ genug, um auch diese Schlucker noch als Sparwunder verkaufen zu können.
Alles in allem verschiebt sich schon der Blick auf Größe, wenn man ständig von solchen Monstren umgeben ist und ich wundere mich wenig, dass Smart auf dem US-Markt nicht wirklich vorankommt.

Doch zurück zu spannenderen Themen.

Futter-Rampe
Eines unserer Ziele, welche wir schon vor der Reise als Must-See festgelegt hatten ist ein ganz wundervoller und einzigartiger … tja … Schnellimbiss namens Katz’s Delicatessen.

Katz's Delicatessen

Katz's Delicatessen

Katz’s ist ziemlich alt (wie man sieht seit 1888 existent), ziemlich berühmt, beliebt und saucool.
Eigentlich kann man hier nur schnell ein Sandwich oder einen Burger essen, allerdings ist das Ambiente ganz eigen und die Portionen sind außergewöhnlich.
Bekannt ist der Laden z.B. aus Harry und Sally, wo Meg Ryan die berühmte Orgasmus-Szene hat:

Außerdem gibt’s eine komplette Wall of Fame mit allen berühmten Besuchern der letzten 10.000 Jahre und man muss sagen, die Liste ist beeindruckend.

Die Organisation im Laden überfordert uns zunächst, dafür mal ein Bild des Inneren vorab:

Katz's Delicatessen

Man erkennt unschwer die beiden Tischreihen und im Hintergrund diverse Schlangen, an denen man sich anstellen kann und muss.
Man hat nun die Wahl zwischen selber anstehen und sich nen Tisch suchen oder hinsetzen und sich bedienen lassen.
Will man selbst anstehen, muss man sich aus dem Knäuel der Schlangen die passende für das Gericht seiner Wahl aussuchen, da jeder „Cutter“ (also Fleischschneider) seine eigene Schlange hat und natürlich nicht jeder alles verkauft.

Wir denken „zu kompliziert“, suchen uns einen Tisch, setzen uns und fangen eine Bedienung ab.
Unser Tisch sei leider kein „serving table“, wir müssten uns (sie gestikuliert grob nach hinten) an einen der Tische dort setzen, dort würden wir bedient.
Es ist ziemlich voll, wir finden noch genau 2 Plätze an einem Tisch mit zwei edel gekleidenen Geschäftsleuten, setzen uns erneut und hoffen auf das Beste.
Die Bedienung kommt und erklärt uns erneut – nein – das sei kein serving table, ja, die Hälfte, wo die zwei Business-Heinis säßen schon, unsere Hälfte aber nicht, wir sollten uns doch bitte umsetzen.
Es wird so langsam albern, die beiden Jungs schauen auch schon ganz pikiert, wir suchen nochmal und finden glücklicherweise wieder einen Tisch, diesmal an der Hall of Fame.

Katz's Delicatessen

Die Bedienung kommt ein drittes mal und – große Freude – wir bekommen eine Karte und dürfen bestellen.
Die Auswahl ist erschlagend, die Preise auch, aber in Erwartung eines leckeren Essens ist uns das ganz egal.
Katz's Delicatessen - Auswahl

Ja, die 14,95 Dollar für ein Pastrami Sandwich sind vollkommen ernst gemeint und Sarah kann nicht widerstehen.
Ich entscheide mich für ein „Philly Cheesesteak“ und harre der Dinge, die kommen mögen.

Derweil schauen wir uns weiter um und erhaschen noch ein paar Blicke auf die riesige Auswahl, die Aktion „Send a Salami to your Boy in the Army“ (der Name sagt schon alles) und die wild gemischte Gästeschar.

Katz's Delicatessen

Katz's Delicatessen

Katz's Delicatessen

Unter anderem fällt ein Herr im Katz’s-Pullover auf, der nichts weiter tut, als im Restaurant herumzulaufen und sich mit den Gästen zu unterhalten.

Der Chef.

Kaum haben wir das erkannt, tritt er auch schon an uns heran und wir quatschen ein paar kurze Minuten über seinen Laden, Deutschland („oh yeah, you’re from near Heidelberg, great city“) und dass eigentlich nur des deutschen Mächtige Gäste erkennen können, was sich hinter „Knockwurst“ oder „Knoblewurst“ verbirgt. Ein sehr netter Zeitgenosse und ein weiteres Beispiel dafür, dass die oft gescholtene, angeblich so oberflächliche amerikanische Freundlichkeit einfach angenehm ist, lockere Unterhaltungen ermöglicht und es einem leicht macht, sich wohl zu fühlen.
Hierzu übrigens ein kurzer Hinweis auf ein tolles Blog, welches über die Eigenarten und Unterschiede zwischen oberflächlich so ähnlichen „westlichen Kulturen“ wie der deutschen und der amerikanischen aufklärt.
USA erklärt

Irgendwann kommt unser Essen und obwohl wir gut trainiert und auch hungrig sind, wir schaffen es einfach nicht, beide Portionen aufzuessen. Leider haben wir keine Bilder gemacht, aber hier gibt es ein paar (vollkommen realistische) Impressionen (rechts, „Foodie Photo Ops“)
Das Brot dient nur als Alibi um die Unmengen (extrem leckeren) Fleisches leidlich zusammenzuhalten, der Teller ächzt, der Magen jauchzt, die Finger triefen.
Lecker!
Wie gesagt, trotz aller Gier, tagelangen Trainings und unseres Ehrgeizes: Wir schaffen es einfach nicht, alles aufzuessen und treten irgendwann den Rückzug an, wir müssen auch so langsam in Richtung Flughafen aufbrechen, um ohne Stress die Heimreise antreten zu können.
Also noch kurz an der Kasse vorbei, ein kleines Vermögen dort lassen, ein Andenken kaufen und ab in die U-Bahn.

Katz's Delicatessen

Arsch-(K)Rampe
Auf dem Weg zum Hotel, von wo wir nur noch ein Taxi zum Flughafen bestellen wollen sowie unsere Koffer abzuholen gedenken, regnet es das erste Mal in all den Tagen, die wir in der Stadt sind (seit der Landung auf der Anreise bei der es noch schüttete, wir jedoch schon beim verlassen des Flughafens im Sonnenschein baden durften).
Perfektes Timing, wirklich.

Für unsere erste Fahrt (Flughafen-Manhattan) hatten wir ja eine Limo gebucht, für die Rückreise zum Flughafen entscheiden wir uns, endlich mal ein Yellow Cab auszuprobieren, damit wir mal alles mitgemacht haben.
Ein großer, dummer Fehler.

Das Taxi kommt zwar recht pünktlich, wir haben auch unglaublich viel Pufferzeit, aber die folgende Fahrt wird dennoch kein ganz so dolles Erlebnis.
Im vergleich zu der Limousine (hier beschrieben) ist das Taxi zwar das gleiche Grundmodell, allerdings deutlich … naja, sagen wir mal „robuster“ ausgestattet. Plastik, ekliger Kofferraum, alles etwas runtergeschrammelt.
Der Fahrer spricht immerhin fließend englisch und ist zunächst auch noch ganz nett.
Die ca. 28km-lange Fahrt bringt uns durch die nachmittägliche Rush Hour durch Manhattan, Brooklyn und Queens und wir stehen mehr, als dass wir fahren. Da eine „Flat Rate“, also ein fixer Preis für die Strecke gilt, wird der Fahrer langsam nervös und immer mosernder, da ihm natürlich mit der längeren Fahrtzeit auch Geld verloren geht. Können wir nur leider nix dran ändern, doch es kommt erst noch richtig spaßig.
Wir wollen mit Kreditkarte zahlen (wie immer), doch auf einmal lehnt das blöde Lesegerät im Taxi unsere beiden Karten ab und wir stehen natürlich ohne einen Cent Bargeld da.
Es folgt ein kleiner Umweg zu einem Geldautomaten (Gemoser inklusive), welcher ebenso unsere EC-Karten ablehnt, mit denen wir Bargeld ziehen wollen), die von dezenten Streitgesprächen garnierte Fahrt zum Terminal (inkl. Umweg wegen eines ungeschickten Missverständnisses) und meine kaltschweißige Suche nach einem gnädigen Geldautomaten im JFK-Terminal (erfolglos).
Der Idiot von Taxler hatte als erste Amtshandlung irgendeinen dummen Knopf in seinem Taxameter gedrückt, welche die Pauschal-Fahrt löschte und durch das normale Zeit/Strecke-Programm ersetzt. Angeblich ließe sich dieses auch nicht zurücksetzen.
Unser Vorschlag, einfach direkt nochmal zu programmieren „Fahrt von Manhattan zum JFK“ wurde mit Blicken und Kommentaren abgetan, als wären wir die letzten Hinterwäldler und er wüsste schon ganz genau, was er zu tun habe.
Zu guter Letzt sitze ich wieder im Taxi und streite mich lauthals mit dem Typen über folgende Themen:

  1. Er möge jetzt gefälligst aufhören, darüber zu reden, dass wir „hier in Amerika seien und nicht im Busch“ (er ist Afro-Amerikaner)
  2. Er müsse nicht die Cops rufen und ja, ich bin mir sicher, dass die mich nicht einsperren werden (so seine Drohung), weil ER zu doof ist, sein Gerät zu bedienen
  3. Er soll jetzt gefälligst seine Zentrale anfunken und fragen, was zu tun sei

Dieser Moment ist der erste seit langem, bei dem auch für mich das Motto „Freundlichkeit bringt mich immer weiter“ nicht mehr zieht, ich bin stinksauer und kann nach einer Woche vermehrter Englischer Kommunikation auch ganz formidabel streiten, ohne zu stottern und nach Worten zu ringen.

Die Lösung ist natürlich vollkommen simpel, seine Zentrale sagt ihm direkt nach (meckernder) Schilderung des Problems, dass er doch einfach die Fahrt löschen, nochmal die Pauschale einbuchen und dann die Karte neu durchziehen solle.
Gesagt, getan und ich zahle ihm – ohne Trinkgeld – sein Geld, worauf er mit hollywoodreif-quitschenden Reifen davonbraust.
Arschloch.

Steile Rampe
Es folgt der Heimflug, auch der ist der Vollständigkeit halber noch einer kurzen Beprechung würdig:
Zunächst gönnen wir uns im typisch amerikanischen Irish Pub am Gate ein leckeres Guinness, unterhalten uns prächtig mit Brett, einem gerade nach Mannheim (!) ziehenden Amerikaner, ich nehme meine Reisetablette und wir begeben uns in den Flieger.
Leider haben wir diesmal mit den Sitzen die vollkommene Arschkarte gezogen.
Wir sind wieder im Heck, allerdings in der allerletzten Reihe und die hat zwar hinter sich viel leeren Raum, aber wer glaubt, hier die Lehnen schön flach stellen zu können, irrt gewaltig.
Hinter unseren Sitzen ist der Notausgang, daher ist die Lehne mit einem unnatürlich geringen Spielraum ausgestattet und wir sitzen wie die Sardinen in der Dose schön aufrecht.
Sarah ist erst sauer, schläft dann aber doch (was sonst). Der Abflug verzögert sich (Regen, Stau auf der Startbahn) um eine Stunde, die Landung verzögert sich (Stau auf der Landebahn) ebenfalls und zwischendrin durchfliegen wir noch diverse luftige Buckelpisten, die ich komplett wach durchlebe, weil ich so aufrecht sitzend nicht schlafen kann.
Pünktlich zur Landung stellt meine Reisetablette ihre Wirkung ein und die letzten Minuten zwischen Landeanflug (holperig) bis zum Öffnen der Türen sind für mich sicherlich spannender als für jeden einzelnen der anderen zig Passagiere.
Meine Gesichtsfarbe muss sich irgendwo zwischen Alpina-Weiß und Mintgrün bewegt haben, ich verliere in 5 Minuten ca. 20 Liter frierend kalten Schweiß und schaffe es doch irgendwie, die edle Singapore-Air-Kotztüte NICHT in Anspruch nehmen zu müssen. Halleluja!

Ein paar Stunden später sind wir Zuhause und lassen uns nach durchwachten 36 Stunden aufs Sofa fallen und sind glücklich.

Fazit
Es ist vollbracht.
Man merkt irgendwie, auch nach mittlerweile über 2 Jahren, die seit der Reise vergangen sind, leben die Erinnerungen an diese viel zu kurzen 7 Tage intensiv in meiner/unserer Erinnerung fort.
Diese Stadt hat uns eingesogen, mitgerissen, überfahren, den Atem genommen und uns doch an vielen Stellen überraschend ruhige Einblicke und Erfahrungen verschafft.
Ein echtes Fazit fällt mir schwer, einzig die Feststellung, nie zuvor so viele Eindrücke in derartig kurzer Zeit aufgesogen zu haben bringt mich zur Warnung: Eine Woche New York ist – auf diese Art – kein Urlaub, es ist (wundervolle) Arbeit, Stress, Ãœberwältigung.

Wir sind uns sicher, wir müssen und werden dort wieder hinfahren und nächstes Mal – versprochen, liebe Stadt – kommen auch ein paar Museen dran.

Weiter geht’s mit Sarahs und Olafs kleiner Reise nach Thailand im Oktober 2010.

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