New York – Tag 5 – Teil 1

Du gute Güte, schon wieder 2 Monate her seit dem letzten Blogpost. Ich komme dann mal den vereinzelten Bitten um Fortsetzung nach und widme mich wieder dem Verfassen von Reiseberichten.

Wir schreiben Dienstag, den 24.03.2009, in New York scheint immer noch die herrlichste Frühlingssonne bei 11-20°C und das Power-Urlaubs-Team Blau-Leichsenring hat einen weiteren langen Tag vor sich.

U Go:
Wir beginnen den Tag … ach wie immer halt … mit Kaffee im Becher, Oatmeal aus der Pappe, Scone aus der Hand und einem ausgedehnten Spaziergang.
Heute laufen wir direkt vom Hotel erst einmal immer nach Osten und wenden uns dann irgendwann gen Süden, um hier zu landen:

Größere Kartenansicht

Na wer hats erkannt?
Genau! Das UN-Hauptquartier.

UNO:
Wir starten also mit ein wenig Bildungsprogramm und wollen uns das UN-Hauptquartier anschauen samt Führung.
Doch vor der Bildung steht – wie so oft – ein umfassender Sicherheitscheck. Okay, wir sind hier gewiss an einer exponierten Lokalität, die Maßnahmen sind durchaus verständlich und da die Sicherheitsbeamten allesamt sehr freundlich sind, geht die ganze Aktion auch schnell rum.
Innen angekommen folgt zuerst eine ausgiebige Übungseinheit im Schlange-Stehen. Das Publikum ist so international wie es nur sein kann, vor allem recht junge Leute aus aller Herren Länder und ein paar einheimische Schulklassen drängen sich in der Schlange.
Es werden Führungen in allen möglichen Sprachen angeboten, die nächste englische ist direkt in einer halben Stunde, also hält sich die Wartezeit für uns sehr in Grenzen.

Die Führung wird äußerst kompetent von einer jungen Rumänin geleitet, die auch auf die seltsamsten Fragen der Teilnehmer immer eine Antwort weiß. So lernen wir zum Beispiel, dass das Gelände, auf dem das Hauptquartier erbaut wurde, der UNO von einem gewissen John D. Rockefeller geschenkt wurde. Andere Leistungen dieses Herren werden wir im Verlaufe des Tages noch begegnen, doch dazu später mehr.
Die knuddelige Rumänin führt uns in Schleifen durch einen guten Teil des Komplexes, das Highlight ist natürlich der Saal der UNO-Hauptversammlung, den man aus Film und Fernsehen kennt.

Uno - General Assembly Hall

UNO - General Assembly Hall

UNO - General Assembly Hall - mit Führerin

Auf Fotos und im Fernsehen sieht das alles immer sehr mondän, zeitlos modern und edel aus. In Wahrheit ist aber alles doch einfach ziemlich alt und runtergekommen. Immerhin wurde der Laden ab 1950 gebaut und seitdem nicht mehr umfassend renoviert. Erst vor ein paar Jahren hat man sich entschlossen, den kompletten Komplex für ca. eine Milliarde Dollar komplett zu sanieren, offenbar ist man damit noch nicht in der Hauptversammlung angekommen, seht selbst.

UNO - Ein Sitz

Man sieht hier – in ganzer „Pracht“ – einen Sitz, auf dem normalerweise ein UN-Abgeordneter seine Püpse abdrückt und den Versammlungen folgt. Uraltes, abgeranztes Kunstleder, verschrammelte Holzlehnen und vor allem diese Ohrhörer für die Simultanübersetzungen im Original Retro-Design. Nein, eben nicht Retro, einfach alt.

Dennoch, sehr beeindruckend, eine wirklich klasse Führung, aus der wir Einiges mitnehmen können.

U See:
Wir betreten wieder das Tageslicht, erhaschen einen Blick auf die gegenüberliegende Seite des Hudson Rivers nach Queens und wenden uns wieder gen Westen.
Hier erwartet uns in einer kleinen Lücke zwischen zwei Häusern der Blick auf den meiner Meinung nach immer noch schönsten Wolkenkratzer der Stadt, das altehrwürdige Chrysler Building.

Chrysler Building

Eine Tonne weiterer toller Bilder findet sich hier: NYCArchitechture.com

Es folgt ein kleiner Spaziergang, wir essen irgendwo noch einen Happen und landen dann auch schon am Hauptziel des Tages, dem Rockefeller Center, genauer gesagt am GE-Building samt Aussichtsplattform „Top of the Rock„.

U Rock:
Genau, wir wollen – nachdem wir, wir erinnern uns, den Helikopter-Flug am zweiten Tag aus finanziellen Gründen ausgelassen haben – endlich mal die Stadt von oben sehen.
Hierfür hat man uns empfohlen, nicht aufs Empire State Building zu gehen, da vom „Top of the Rock“ die Rundumsicht deutlich besser sei. Hier mal vorab ein Eindruck vom Rundumblick des Empire State Buildings, wenn man mal genau nach Norden schaut, sieht man einen großen, breiten Klotz im Bild, genau im Weg in Richtung Central Park … das GE-Building. 🙂
Empire State Building 360° Panorama

Doch zurück zum Thema, wir kreisen unser Ziel also langsam ein. Das gesamte Rockefeller Center besteht ja aus -zig Gebäuden und belegt einen kompletten Straßenblock, unter anderem beherbergt man die berühmte Radio City Music Hall, die Zentrale von NBC und einen Haufen TV-Studios von NBC.
Und wusstet ihr übrigens, das „General Electric“ (GE), einer der größten Konzerne weltweit, von Thomas Alva Edison gegründet wurde?
Nutzloses Wissen 2.0!

Hier mal zwei Eindrücke vom Gebäude, wenn man über den Haupteingang hinein spaziert.

Rockefeller Center - Haupteingang

30 Rock von unten

Der Hammer, oder? Von vorne sieht das Gebäude ganz schmal und elegant aus, von der Seite ist das Teil ein unförmiger, breiter und gedrungen wirkender Klotz. Zum Glück sieht man das von unten nicht wirklich, also bleibt uns der elegante Anblick im Gedächtnis.

Nicht zu vergessen ist die berühmte Eisbahn auf der „Lower Plaza“ direkt vor dem Eingang. Hier ist jedes Jahr von Oktober bis April eine Mini-Eislauffläche eingerichtet, die tatsächlich nicht nur von Touristen benutzt wird, sondern auch von einheimischen Kufen-Posern. Zur Hochzeit im Dezember, wo die Stadt eh aus allen Nähten platzt, fällt es einem als Anfänger Gerüchteweise sehr leicht, dort zu laufen, man kann vor lauter Menschen einfach nicht umfallen.

Die Eisbahn vor 30 Rock

Der Zugang zum Observation Deck erfolgt über einen Warte- und Schlangenbereich, der sich gewaschen hat. Man fühlt sich etwas wie im Wartebereich vor dem Super-Achterbahnknüller im Europapark, hier müssen hunderte Menschen reinpassen.
Das Ganze ist aber sehr schön gestaltet, man hat alles im Museumsstil gehalten. Überall sind Bildtafeln, Reliquien aus der Bauzeit und Erinnerungen an alte TV-Shows ausgestellt. Außerdem laufen kurz vor dem Fahrstuhl ein paar interessante Kurzdokus über die Geschichte des Komplexes. Hier gibts ein paar Bilder.

Dann geht’s in den Fahrstuhl und hier zeigt sich mal wieder, dass „der Amerikaner“ es einfach drauf hat.
Bei der aufregenden und publikumswirksamen Präsentation von … äh … ungefähr ALLEM ist man uns dort meilenweit voraus.
Man sehe sich einfach mal ein beliebiges Sportereignis, eine Preisverleihung der Wahl oder auch einfach eine der schon von mir besprochenen „Produktwelten“ an (M&M-World, NBA-Store, Nintendo-World etc.).
Als Mitteleuropäer, der peinliche und kleinstädterische Aktionen in diesem Rahmen gewohnt ist, bleibt mir bei solchen Gelegenheiten regelmäßig die Spucke weg, die Amis können das einfach besser. Nein, sie haben es erfunden!

Zurück zum Aufzug. Man betritt die Kabine, lässt sich von gediegener Musik umfangen, fährt los und erstarrt in Ehrfurcht.
Die Decke – anscheinend aus Milchglas – wird semitransparent, es laufen irgendwelche uramerikanischen Filmausschnitte und derweil wird der komplette Fahrstuhlschacht erleuchtet, sodass man die Geschwindigkeit, mit der man die 67 Stockwerke hochsaust, mit beeindruckender Intensität wahrnehmen kann.
Bei obigem Link gibts ein paar nette Bilder (hier), gute Filme fand ich leider nicht, hier mal ein Schlechter.

Vollkommen geplättet verlassen wir den Fahrstuhl, betreten die erste Aussichtsplattform und nach einer Runde „unten“ geht’s nach ganz oben, von wo wir einen unglaublichen Blick genießen können.
Das tolle Wetter habe ich ja schon beschrieben, heute ist „Erntetag“. Die Sicht ist dermaßen bombastisch und ungetrübt, dass man in der Ferne am Horizont sogar die Erdkrümmung (!) erkennen kann, ein unglaublicher Anblick.

Ich investiere 2 „Quarter“ (50 Cent) in ein münzfressendes Fernglas

Olaf am Fernglas

Olaf am Fernglas

Olaf am Fernglas

und sehe folgendes:

Ausblick auf das Empire State Building

Blick auf die Freiheitsstatue

Weiter geht’s, ein Schuss ins Hochhausgewürfel:

Blick nach unten ins Gewürfel der Hochhäuser
Blick auf den Times Square

Das letzte Bild zeigt, wie langweilig der Times Square tagsüber von oben aussieht. Zum Vergleich habe ich hier noch ein Bild von Sarahs New-York-Trip ein paar Monate zuvor ausgegraben, fast das gleiche Motiv, nur eben nachts: Der Sündenmoloch glüht …

Blick auf den Times Square bei Nacht

Interessantes Detail am Rande. Man sieht auf den Dächern der Hochhäuser überall diese kleinen Holz“zuber“, die aussehen wie kleine runde Hütten mit Kegeldach.
Die ganze Zeit in der Stadt fragen wir uns, was es damit wohl auf sich hat und erst nach unserer Rückkehr finden wir Folgendes heraus:
Die – auch auf neueren Häusern stehenden – altmodischen Wasserspeicher aus Holzbottichen dienen mehreren Zwecken und sind einfach wie genial.
Der Wasserdruck der New-Yorker Wasserversorgung reicht nur bis ins 6. Stockwerk. Daher gibt es – schon seit 1880 – eine Verordnung, die es jedem Gebäude über 6 Stockwerken auferlegt, die Wasserversorgung des Gebäudes über einen Tank auf dem Dach herzustellen. Damit stellt man einerseits sicher, dass die Häuser immer schön Wasser mit ausreichendem aber nicht zu hohem Druck in den Leitungen haben, hat aber vor allem im Brandfall eine absolut unabhängige – weil stromlose – Löschwasserquelle.
Cool ist auch, dass die Dinger – da aus Holz – quasi unbrennbar sind und auch schön dicht halten, da das Holz aufquillt und sich selber abdichtet. Außerdem halten die Teile ca. 50 Jahre und müssen nur ein Mal im Jahr gründlich gereinigt werden.
Erklärungen hierzu: [1] [2] [3] und [4] (sehr nett, ein Interview mit Tankbauern) und zum Schluss noch eine Menge Bilder.

Während wir auf dem Dach rumwandern, stellen wir fest, dass der starke Euro (man bedenke, Im März 2009 steht der Euro bei 1,45 Dollar) dafür sorgt, dass die europäischen Touristen ziemlich unter sich sind. Hier und anderswo hört man extrem viele Deutsche, Italiener, Franzosen und sonstige Euro-Staaten-Anwohner, die allesamt die sensationell günstige Zeit ausnutzen. Auf die peinlichen Kölner Jungs auf dem Top of the Rock hätten wir aber gerne verzichtet, die sind doch etwas zu sehr Klischeedeutsche à la Ballermann.
Nunja, die Plattform ist ja groß genug und wir riskieren noch einen Blick nach Norden auf den Central Park (den man – wie schon beschrieben – vom Empire State Building aus überhaupt nicht sehen würde, haha).

Blick auf den Central Park

Hier sieht man schön den Park, die Upper West- und die Upper East Side, die Bronx und man erkennt vor allem wunderbar, wie exzellent die Sicht ist und sieht meiner Meinung nach tatsächlich die Erdrundung.

Wir schießen noch unzählige Fotos und reißen uns irgendwann endlich los, um erschöpft im Hotel eine kleine Pause zu machen.
Doch halt, ein Schnappschuss noch, auf dem man auch sieht, wie windig und frisch es ist:

Top of the Rock - windig

Es geht also – natürlich zu Fuß – zurück ins Hotel auf ein kleines Nickerchen und … ihr habt es erraten, ein oder zwei Folgen CSI:Miami, Horatio Caine hat eben immer was zu tun.

Den Abend hebe ich mir auf für den nächsten Artikel, stay tuned. 🙂

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