New York – Tag 2 – zweiter Teil

Nach unserem spannenden Frühstück und dem sehnsüchtigen Blick auf den Heliport gelangen wir wieder zum Battery Park an der Südspitze Manhattans.
Hier hat man – gleich neben dem vollkommen betonierten Financial District gelegen – einen grünen Ort der Ruhe.
Nun gut, Ruhe herrscht hier vermutlich nur an Wochenenden vor 8 Uhr morgens, ansonsten ist der Park voller Menschen, Souvenirverkäufern und einer hunderte Meter langen Schlange für die Fähren gen Freiheitsstatue und Ellis Island, welche dort ablegen.

Downtown
Wir sparen uns die Schlange, genießen einen ausgedehnten Blick auf die Hochhäuser und entdecken unser erstes Grauhörnchen.

Battery Park plus Hochhausgewürfel

Squirrel

Diese Viecher wuseln massenhaft durch die Parks der Stadt. An jedem grünen Flecken findet man die kleinen Nagetierchen und vermutlich sind sie eine Landplage. Für uns Touristen geben sie aber tolle Fotomotive ab …

Weiter nach Norden, Grobrichtung ist die Baustelle des World Trade Centers. Auf dem Weg dorthin sehen wir interessante Dinge.

Souvenirs mal anders

Außerdem kommen wir endlich mal in Fotografiernähe an einem Parkhaus vorbei

Parken, sehr günstig

zusammengefasst und kurz nachgerechnet:
16,05 Dollar pro Stunde
42 Dollar pro Tag
Aufpreis für „Oversize“, also SUVs usw: 8,45 Dollar.

Oder darf es doch gleich die günstige Monatspauschale auf der Hauptebene für ein SUV sein? 670 Dollar, glatt geschenkt!
Zu allen Preisen kommen natürlich noch 18,375% Mehrwertsteuersatz fürs Parken obendrauf (für obiges Beispiel landet man dann bei knapp 800 Dollar).
Dieses Parkhaus liegt mitten im Financial District, also nicht gerade im billigsten Viertel; wir haben aber noch deutlich teurere gesehen.

Hier der wichtige Ausschnitt lesbar vergrößert:

Parkhauspreise im Detail

Wir laufen weiter und kommen an der Trinity Church vorbei. Beeindruckend ist weniger der Kirchenbau als solches, da findet man sicher größere und schickere Gotteshäuser. Der Kontrast jedoch zwischen dem Bau (von ca. 1845) und der Umgebung mit unzählbaren Wolkenkratzern, Glasfassaden, Betonwüste, Autos und Menschenmassen macht die Würze.
Und der exzellente Chor, der gerade in der Kirche probte.

Der Chor war ganz weit vorne

Wenn man schon ein paar Kirchenchöre in der deutschen Provinz gehört oder schmalbrüstige Vorstellungen im TV gesehen hat, erfährt man hier die sangestechnische Erleuchtung:
Toller Klang, tolle Sänger und das bei einer lockeren Probe vor irgendeinem Auftritt.
Nicht schlecht, Herr Specht!

Wir dackeln weiter, begaffen kurz die Baustelle vom WTC. Als das Spannendste stellt sich noch der Mensch heraus, der ausschließlich dafür angestellt ist, neugierige Touristen wie uns vom Loch im Bauzaun fernzuhalten, damit auch sicher niemand einen Blick ins Innere der (vollkommen abgesperrten) Baustelle erhaschen kann. Laaaaaangweilig.

Weiter geht’s Richtung Nordosten, dort sollen sich Chinatown und Little Italy verstecken und diese beiden Punkte müssen von uns beiden Neu-Touristen auf der Liste der zu besichtigenden Dinge auf alle Fälle abgehakt werden.
Auf dem Weg kommen wir an ein paar weiteren interessanten Ausblicken vorbei.

US Justice Department

Stärkung

Chinatown
Und dann Chinatown, auf der Karte sind wir jetzt hier.

ein 'Eingang' zur Chinatown

Dass man sich AB SOFORT in Chinatown befindet muss, ist unverkennbar. Immerhin sind auf einen Schlag alle Straßenschilder zweisprachig und als nicht-Asiate gerät man sofort in die deutliche Minderheit.

Chinatown ist spannend. Sie ist lebendig, voller Menschen und voller Geschäfte mit
a) China-Müll (Elektronik)
b) Klamotten
c) nie gesehenen Nahrungsmitteln

Hier kriegt man wohl wirklich alles, was mal kreuchte, fleuchte oder auf irgendeinem Baum, Acker, Strauch oder sonstigem Nährboden gewachsen ist. In einem Kräuterladen gehen uns die Augen über, die Münder auch, immerhin können wir alles probieren, was wir uns trauen.

Da seit dem Frühstück schon wieder einige Zeit vergangen ist und nicht zuletzt nach der Anfütterei mit unbekannten Kleinigkeiten, schreien unsere Mägen so langsam wieder nach Aufmerksamkeit.
Die sollen sie haben.

Weil wir nicht wissen, wie sehr wir den unzähligen Restaurants trauen können, laufen wir eine Weile rum und finden irgendwann einen Imbiss, in dem nur Chinesen rumsitzen.
Was kann man besseres tun, als sich an den „Einheimischen“ zu orientieren, also flitzt Sarah in den Laden, um „irgendeine Suppe“ zu kaufen. Ich mache derweil ein paar Fotos.

Eindrücke aus Chinatown

Eindrücke aus Chinatown

Kräuter und Gemüse

15 Minuten später kommt Sarah mit der obligatorischen Kombination aus Plastik- und Papiertüte aus dem Laden raus, darin verbirgt sich das hier:

Enten-Nudelsuppe

Im Laden sprach man nur rudimentäres Englisch, die Auszeichnungen waren sowieso alle auf Chinesisch und die 5 Dollar, die wir für die Suppe abdrücken, sind wohl auch spontan ausgedacht: Immer noch sehr günstig, aber ganz gewiss Touri-Tarif. Fürs Geld bekommen wir einen Plastikbecher mit ca. 1 Liter Material bei ca. 90°C. Die kommende Stunde haben wir angenehmerweise Zeit, uns einen schönen Platz zu suchen, um das Zeug zu futtern.

Mein Eindruck von Chinatown – zumindest von dem besuchten Teil – lautet, dass es „echt“ ist. Es laufen nur relativ vereinzelt Reisende umher, die meisten Menschen jedoch sind ganz normal unterwegs, kaufen ihre Zutaten fürs Essen oder gehen sonstigen Beschäftigungen nach. Dabei scheint dem geneigten Mitteleuropäer alles unglaublich bunt, laut, man trifft auf die interessantesten Gerüche und Eindrücke und fühlt sich richtig wohl.

Doch nun zu etwas vollkommen anderem.

Little Italy
Chinatown und Little Italy grenzen zum einen direkt aneinander und gehen an vielen Stellen auch mehr oder minder nahtlos ineinander über. Chinatown wuchert derweil in alle Richtungen und hat vom ehemals 40.000 Einwohner beheimatenden Little Italy nur noch einen kleinen Rest übrig gelassen, der dementsprechend komprimiert ein wahres Touristen-Erlebnis „bietet“.
Ein Restaurant am nächsten, an jedem stehen marktschreierische Einweiser/Kellner, die einen nur mit Mühe und dem hart antrainierten „stieren Blick“ vorankommen lassen. Alle zwei Meter wird man angequatscht, ob man nicht günstigst essen mag, dabei sehen die Restaurants nicht wirklich einladend aus.
Wir fühlen uns wie im Nikolai-Viertel in Berlin oder in jedem anderen Potemkinschen Dorf. Alles nur Fassade, ein stetiges Gefühl des Nepps, außerdem hält man den Rucksack lieber nah am Körper, irgendwie fühlt sich alles sehr seltsam an.

Little Italy 1

Little Italy 2

Little Italy 3

Little Italy 4 - Tand

Ein schöner Eindruck: links Little Italy mit „di Paolo’s“ und rechts Chinatown mit „Yue Fung Enterprises“.

Little Italy meets Chinatown

Dazwischen, hier vergrößert, einer der Ausblicke, derentwegen ich die Stadt so toll finde.

Empire State of Mind

Immer wieder schlendert man durch die Gegend, schaut sich um, freut sich, läuft weiter, geht über die Straße und beim ahnungslosen Blick zur Seite sieht man es unvermutet wieder, das ewig schicke und beeindruckende Empire State Building. Wahnsinn!

Nach einer geschätzten Stunde weiteren Fußmarsches (nachdem wir unsere Suppe gekauft haben), finden wir einen optimalen Platz, um uns diese zu Gemüte zu führen, eine Bank am Rande des Sara D. Roosevelt Parks.
Hier lernen wir einen neuen Sport kennen, „Handball“ auf amerikanische Art. Das ganze sieht aus wie Squash im Freien, gespielt wird mit der Hand.

American Handball

American Handball

Hier mal ein paar bewegte Bilder, damit man sich das vorstellen kann.

Das Ganze ist unfassbar schnell, athletisch und die aktiven Jungs und Mädels benutzen den Court wohl vor allem als Kontaktbörse und zum „Cool-Aussehen“.
Zuschauen macht Spaß, wir genießen eine ganze Weile die gebotene Sportschau und schauen nebenbei den Posern am Basketballplatz nebenan zu. Währenddessen schlürfen wir also endlich die Nudelsuppe und grinsen zufrieden von einem Mundwinkel zum anderen.

Irgendwann werden aber auch die härtesten Krieger müde, schließlich sind wir seit urfrühen Zeiten wach und es zieht uns ins Hotel zum Ausspannen und Verdauen.
Auf dem Weg sehen wir noch einen süßen Tiertransport:

Tiertransport

Der Abend
Im Hotel angekommen schlafen wir zuerst eine Runde, Sarah sogar zwei, während ich Tagebuch schreibe (die Quelle für meine Artikel hier), Fotos sortiere und CSI:Miami schaue.
Irgendwann – so gegen 22 Uhr – haben wir die Wahl zwischen Weiterschlafen und doch noch einem Imbiss. Nach 4 Folgen CSI brauchen wir eigentlich auch nicht noch eine weitere und wir sind ja nur einmal da, also auf ins Vergnügen.

Wir verlassen das Hotel und sind gerade 3 Minuten in Richtung Midtown unterwegs, als Sarah brandheiß einfällt, dass gleich um die Ecke einer der Geheimtipps überhaupt lauert.
Der „Burger Joint“ im Luxushotel Le Parker Meridien. Dieses findet sich tatsächlich direkt gegenüber unseres Hotels, wir schauen aus dem Zimmer genau auf den rückwärtigen Eingang der Absteige (ich will nicht „Hintereingang“ sagen, das wäre nicht angemessen).

Le Parker Meridien

Nun gut, wir drehen um und begeben uns zum Le Parker (Bilder). Durch oben gezeigten Eingang geht’s einige Meter durch eine dunkle Lounge mit edlem Mobiliar und ebenso edlen Gästen. Ich muss gestehen, wir sehen etwas leger aus und sind nicht ganz angemessen gekleidet angesichts des edlen Rahmens.
Doch Sarah sagt „weiter“ und wir schleichen in die Lobby. Dort weist nur ein winziges Leuchtzeichen auf den Burger Joint hin. Den findet man hinter einer vollkommen unscheinbaren Holztür, die eher danach aussieht, als ob sich ein Versorgungsraum oder eine Besenkammer dahinter verbergen würde.
Nun, viel größer ist der Raum hinter der Tür auch nicht. (weitere Bilder bei Tripadvisor)
Klein-Olafs Augen müssen geglänzt haben wie die eines Kleinkindes an Weihnachten.
Ich LIEBE ja Burger. Ich könnte jeden Tag das Zeug essen, wenn nicht gesellschaftliche Konventionen und Konformitätszwang gesundheitliche sowie finanzielle Aspekte, der Hunger auf Gemüse sowie die Existenz von Dönern ins Spiel kämen.
Insofern ist Amerika natürlich ein Traumland – dafür haben wir uns noch ziemlich gut gehalten und in einer Woche nur drei Burger gegessen.
Einen davon eben in diesem unvergleichlichen Etablissement.

Die Schlange – von der man hört, dass sie zu Spitzenzeiten durchaus auch mal bis zur Straße gehen kann – ging gerade mal bis zur Tür und hinter dem Tresen standen drei gutgelaunte Burgerbrater, denen man zunächst seine Wünsche mitteilt (Ham- oder Cheeseburger, welcher Belag, welche Beilagen und v. a. wie stark das Fleisch gebraten werden soll). Man kann, nein muss also mitteilen, ob man die vorzügliche Bulette blutig, medium oder durch bevorzugt und bekommt sie dementsprechend gebraten. Im Burger Joint kommt nichts aus der Tüte, alles wird frisch zusammengepappt und auf den Grill geworfen.
Für hungrige Anfänger wie uns bietet es sich an, die ganzen Optionen einfach zu überspringen und „The Works“ zu rufen, das heißt dann einfach „mit allem“, kostet beeindruckende 8 Dollar pro Nase, dazu nochmal 4 Dollar für Fritten und man geht um 20 Dollar zzgl. Steuer erleichtert, dafür mit einer gehörigen Ladung Kalorien beladen, wieder aus der Spelunke raus.
Sitzplätze waren keine frei, aber zum Glück brauchen wir eh nur 2 Minuten vom Tresen zum Hotelzimmer und können es uns dort gemütlich machen. Der Burger an sich sieht pappig aus, ist aber wirklich lecker. Die Pommes triefen förmlich, machen aber extrem glücklich: Es sind die ersten Pommes, welche wir aus einer fettdurchtränkten braunen Papiertüte herauskrabbeln dürfen!
Zugegeben, der Spaß ist überteuert, aber im Vergleich zu anderen Abendessen, die man sich in NYC antun kann, immer noch billig (man möge nur mal für flotte 100 Dollar Steak essen gehen). Außerdem zahlt man das Ambiente gerne mit und wir haben im Verlauf der Woche durchaus noch teurer gegessen und getrunken.

Gegen Mitternacht fallen uns die Äuglein zu und wir schlummern selig unserem dritten Tag entgegen.
Gute Nacht.

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