Filmtipp: Inglorious Basterds

Ich bin ja bekennender Tarantino-Jünger und die Rezensionen seines neuen – übrigens in Babelsberg gedrehten Films „Inglorious Basterds“ [1], [2], [3] haben uns dazu veranlasst, endlich mal wieder ins Kino zu gehen.

Der Spiegel hat den Film mit einem „Essay“ und einer Kritik bedacht, die in ihrer Lobhuddelei schon fast abstoßend wirken. Kann ein Film so gut, ungewöhnlich, wichtig und – wie Lagerfeld es ausdrücken würde – „unprätentiös“ sein?


Ich denke schon. Inhaltsangaben und Kritiken findet man ja überall, da brauche ich nix weiter schreiben, ich war auf alle Fälle nach Filmende erstmal ein paar Minuten relativ sprachlos.
Tarantino schafft es, die vielbeschworene „Suspense“ aufzubauen, der Film hat zwar einige drastische aber letztendlich sehr kurze Gewaltszenen, der Rest ist langsame aber nie langweilige Unterhaltung, Humor, Horror, Gruseln und Spannung.
Die Schauspieler sind allesamt bestechend (ja Sarah, ich fand auch Frau Krüger gut), herausragend sicher Brad Pitt als durchgeknallter jüdischer „Basterd“ mit breitestem Südstaatenakzent und Christoph Waltz als der wohl kultivierteste, netteste, fiesteste und böseste Nazi, dem sein Job eine echte Herzensangelegenheit ist. In seinen (vielen) Szenen stellten sich mir regelmäßig die Haare auf. Oskarverdächtig.

Nach Filmende unterhielten sich am Ausgang einige Besucher über die historische Komponente und Einordnung in die wahren Geschehnisse.
Falsch falsch falsch.
Der Film beginnt mit „Once Upon A Time“, geht also sehr freimütig mit historischen Gegenenheiten um, eigentlich nimmt er das historische Umfeld nur als grobe Szenerie für die Handlung auf.
Und das ist – da folge ich mal dem Spiegel-Essayisten – ein wunderbarer Abgesang auf todernste, irgendwie immer heroisierende und glorifizierende Kriegs- und Antikriegsfilme, die sich in geschichtlicher Genauigkeit verbeißen und damit die Nazis auf einen Sockel stellen, auf den sie nicht gehören sollten.
Ich glaube nicht, dass sich ein Deutscher Regisseur ein solches Drehbuch hätte erlauben können zu verfilmen, aber nachdem Daniel Levy mit „Mein Führer“ den humoresken Ansatz eröffnet hat (obwohl ich den Film furchtbar fand), schafft es Tarantino auf unvergleichliche Art und Weise, die Schergen und Nazi-Größen von ihrem Thron zu stoßen und ihnen kollektiv den Garaus zu machen.

Ein absolutes Must See, wer nur irgendwie Englisch kann, sollte die Originalversion sehen, ein großer Teil des Films ist sowieso auf Deutsch, ein Teil auf Französisch, man wird also so oder so Untertitel lesen müssen.
Und Brat Pitt als italienisch radebrechenden Südstaatennazijäger KANN man nicht mit einer Synchro gerecht werden.

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